Yang Family Tai Chi in der Diskussion

Für etliche Lehrende ist Yang-Family-Tai-Chi nach wie vor eine unantastbare Glaubenssache, wenngleich wissenschaftliche Forschungen die Kern-Aussagen der Yang-Family als fraglich relativieren. Diese Diskussion über Tradition-Transparenz kann Lehrern und Schülern ihre individuelle Positionierung zur Esoterik erleichtern (Weiter Yang Family Berlin Köln Bremen).

Yang-Familientradition in Deutschland - "Tai-Chi-TÜV"

Yang Family Tai Chi Chuan - Status Quo 2013

Yang-Family Taijiquan - es berichtet DTB-Geschäftsführer Dr. Stephan Langhoff  www.stephan-langhoff.eu

Vorankündigung Artikel: Blick hinter die Kulissen Yang-Family-Taiji

Stetige Aufklärung/ Engagement Einsatz für Ideologie-Freiheit ist Sisyphus-Arbeit

Webtipp Yang-Chengfu-Rezension: Yang Chengfu

Dr. Stephan Langhoff 45 Jahre Erfahrung

Yang Family Tai Chi Chuan

Wenngleich wir eine weiterhin sinkende Reputation der chinesischen Familien-Stile wie dem der Yang-Family konstatieren müssen, bin ich persönlich doch mit dem bislang Erreichten zufrieden. Dass dies nicht ein Widerspruch in sich ist, möchte ich kurz darlegen.

Bereits im Ursprungsland China gab es bekanntlich schon immer eine große esoterische Geheimniskrämerei um das "Wahre Tai Chi" im allgemeinen und dem "Yang-Family/Yang-Familien-Tai-Chi" im besonderen. Leider hat sich dies im Westen nahtlos fortgesetzt.  Aufklärungen entpuppen sich leider häufig als Pseudo-Aufklärung und produzieren lediglich heiße Luft.

 45 Jahre Beschäftigung mit östlichen Künsten

Der Beginn meiner aktiven Beschäftigung mit östlichen Künsten war 1969 und liegt demnach nunmehr 45 Jahre zurück. Ich begann damals an der Uni mit Wado-Ryu-Karate unter Leitung von Teruo Kono, der bis zu seinem Tode im Jahre 2000 mein Lehrer blieb.

 Erste Bemühungen um Transparenz 1989 und Qualitätssiegel-Verleihung 1992

Ich bin Gründungsmitglied im Dt. Taichi-Bund - Dachverband für Taichi und Qigong e. V.

Ich leite einen Mitgliedsverein, nämlich das Tai Chi Zentrum Hamburg e. V. Dieser hatte 1989 den Startschuss zur Transparenz-Idee gegeben und ist bis heute das "Flaggschiff" geblieben. Er trägt seit 1992 das Qualitätssiegel des Weiterbildung Hamburg e. V. und wird also von unabhängigen Dritten laufend überprüft.

 Motivation für Transparenz

Einige frühe negative Anlässe motivierten mich und einige Gleichgesinnte zur Gründung einer Qualitätsgemeinschaft mit dem Ziel von mehr Transparenz und Ideologie-Freiheit. Das war 1988 und liegt nun auch schon wieder 25 Jahre zurück. Konkrete Auslöser waren dubiose Events, die eine große Nähe zu Show und Tricks aufwiesen. Dies betraf das Push-Hands der Stilistik von Chu Kinghung, der sich ja ausdrücklich auf die "authentische Linie der Yang-Familie" bezieht. Später kamen für uns nicht nachvollziehbare Äußerungen zum Yang-Tai-Chi-Chuan der Yang Chengfu Tai Chi Chuan Center hinzu - insbesondere zu Begrifflichkeiten wie "Wahres Tai Chi", "Traditionelles Tai Chi". Seltsamerweise bezogen sie sich alle auf Meister Yang Chengfu mit Ansprüchen und Behauptungen, die in ihrer Gesamtheit nicht stimmen konnten.

 Fakten-Check und Veröffentlichungen

Schnell wurde klar, dass zwei Dinge entscheidend sein würden. Belege für unsere Thesen durch einen Fakten-Check auf wissenschaftlich-objektiver Grundlage und das Informieren einer möglichst großen Öffentlichkeit. Zahlreiche Menschen konnten von der Nützlichkeit unseres Fakten-Checks überzeugt werden. Dazu gehören Verbände, Schulen, Lehrer und Schüler, aber auch Krankenkassen und Einrichtungen der Erwachsenenbildung. Schnell merkte ich, dass sogenannte "Fachzeitschriften" wie das "Taijiquan-Qigong-Journal" für eine ungefilterte Veröffentlichung unserer Forschung nicht infrage kam. Ein Bericht über den ersten Besuch von Fu Shengyuan, dem Sohn von Fu Zongwen wurde abgelehnt. Aber mit der Zeit wurde das Internet ja immer bekannter und die Verbreitung online erwies sich als sehr effektiv und kostengünstig.

 Taijiquan und Qigong in Deutschland - Verwechselungen nehmen ab

Durch unsere überall lesbaren klaren Distanzierungs-Hinweise zur Yang-Family werden wir in der Szene auch nicht mehr in dem Ausmaß verwechselt wie früher. So erfuhren viele Praktizierende erstmals von den Verhaltensweisen der Yang-Chengfu Center. Siehe dazu das Problem der Prüfungsfragen wie es von der Workgroup Yang Chengfu Center analysiert und dargestellt wird.

 Esoterik/ Sekten im Taijiquan und Qigong in Deutschland ungebrochen

Der Einfluss von Okkultismus und Esoterik ist weiterhin ungebrochen. Ich schätze den Sekten-Anteil in der Taiji-Qigong-Szene auf etwa 50%. Es wimmelt von Angeboten mit Geistheilung und Hellseherei. Man denke nur an den Web-Auftritt bei Eso-Guru von Meister Yang Jun 5. Generation der Yang-Familientradition.

 Yang-Familie

Ich halte die allseits bekannte Strategie der Yang-Family, Negatives gar nicht zu thematisieren für falsch. Durch Tabuisierung kann sicherlich keine langfristige Verbesserung der Reputation entstehen. Schlimmer noch, die Kritik verewigt sich. Besser wäre ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende! Ich verweise auf die Nicht-Anerkennung seitens des DTB: www.yang-family.taijiquan.eu.

Im übrigen halte ich alles extrem Peinliche ohnehin unter Verschluss, um nicht "das Kind mit dem Bade auszuschütten". Und dennoch entsteht bei Manchem - wie ich aus Gesprächen weiß - das Gefühl, ich würde die Yang-Familie ohne Grund allzu negativ darstellen ... Ich pflege dann zu sagen: "Wenn ihr meine Insider-Kenntnisse hättet, würdet ihr mir zustimmen!". Zugegebenermaßen ein "Totschlag-Argument", mit dem sich alles beweisen ließe . . . Doch wenn ich ganz selten doch einmal Unschönes aus der "Szene" belege, herrscht schon ein betroffenes Schweigen !!

Doch in einem Punkt bin ich unzufrieden und da möchte ich ein offenkundiges Mißverständnis ausräumen: Unsere Ablehnung und Kritik von Okkultismus und Esoterik im Yang-Taijiquan zielt einzig und allein auf solche Organisationen, die Lehrer ausbilden, denn dort sollte Ideologie-Freiheit wirklich oberste Priorität sein - aus Fairness und Verantwortungsgefühl heraus.

Andere Organisationen, Schulen und Lehrer, die nicht ausbilden würde ich niemals eine bestimmte Weltsicht vorschreiben wollen! Das wurde bislang wohl nicht immer verstanden.